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Flammenkinder

BESCHREIBUNG von Audible In einer Einrichtung für suizidgefährdete junge Mädchen im Norden Schwedens wird eine Zwölfjährige ermordet aufgefunden – aufgebahrt in einem Bett, mit beiden Händen vor dem Gesicht. In der gleichen Nacht wird eine Krankenschwester brutal erschlagen. Niemand hat etwas gesehen. Als in einem Zimmer ein blutverschmierter Hammer gefunden wird, scheint der Fall aufgeklärt, [...]

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Danach

BESCHREIBUNG von Audible Sarah Farber hat überlebt. Drei lange, grausame Jahre in einem Kellerverlies. Zehn Jahre ist das her, aber Sarah kann nicht vergessen: die Dunkelheit, die Kälte, die Verzweiflung, die Panik. Und sie weiß noch immer nicht, was damals mit ihrer besten Freundin Jennifer geschehen ist. Jetzt kann sie nicht länger vor ihrer Vergangenheit [...]

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Old Iggy

Am 08. Mai 2012 verstarb die großartige Katzendame „Old-Iggy“, nachdem sie von einem Fahrrad überfahren worden war. Old-Iggy brachte uns den korrekten Umgang mit Katzen bei. Sie war meist geduldig mit uns – nur manchmal nicht       Old-Iggy kam als Streuner und wurde zur geliebten Hauskatze mit Freigang. An Freigang war sie gewöhnt. [...]

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Töte mich

BESCHREIBUNG von Audible Sei bereit. Sei schnell. Sei gnadenlos. Nathan Stiedowe hat einen Plan: der perfekte Killer zu werden. Seine Vorbilder sind “Meister” ihres Faches, kaltblütige Monster wie Charles Manson. Nathan ahmt ihre Taten nach und begeht die grausamsten Morde der Geschichte ein zweites Mal, jedoch ohne die Fehler zu machen, deretwegen seine Idole geschnappt [...]

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Flammenkinder

FlammenkinderBESCHREIBUNG von Audible

In einer Einrichtung für suizidgefährdete junge Mädchen im Norden Schwedens wird eine Zwölfjährige ermordet aufgefunden – aufgebahrt in einem Bett, mit beiden Händen vor dem Gesicht. In der gleichen Nacht wird eine Krankenschwester brutal erschlagen. Niemand hat etwas gesehen. Als in einem Zimmer ein blutverschmierter Hammer gefunden wird, scheint der Fall aufgeklärt, doch das Mädchen, das dort lebte, ist verschwunden. Ihm ist es gelungen, in einem Auto zu fliehen. Für die Polizei beginnt damit ein dramatischer Kampf gegen die Zeit, denn in dem Wagen saß ein kleines Kind. Das Auto wird kurze Zeit später in einem Fluss in der Nähe entdeckt, und die Mörderin gilt auf tragische Weise als überführt. Nur Kriminalkommissar Joona Linna ist skeptisch. Zu viele Fragen sind noch offen. Was war das Mordmotiv? Und warum wurde eines der Opfer so merkwürdig aufgebahrt?
Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Meine Meinung:

Schon seltsam …

Flammenkinder; manche Titel sind verwirrend und geben erst ganz zum Schluss preis, warum sie ausgewählt wurden. Bei Flammenkinder kam dies so nebensächlich raus, dass ich es fast verpasst hätte – in all den Verwicklungen.

Flammenkinder habe ich direkt nach dem Erscheinungstermin angefangen und wieder damit aufgehört. Nun wollte ich einen zweiten Versuch wagen.

Ich empfand den Anfang vom Hörbuch etwas chaotisch. Ziemlich viele Personen werden gleich zu Anfang genannt. Vor allem bei den Mädchen ist es schwierig, sich die Namen zu merken, da sie alle gleich schräg drauf sind und von daher schon schwer zu unterscheiden.

Die kindliche Mörderin ist auf der Flucht und entführt dabei unwissentlich ein Kleinkind, weil sie einen Wagen stielt, in dem ein Schlüssel steckt. Das Kind auf der Rückbank entdeckt sie erst später. Eine große Suche beginnt, vor allem nach dem entführten Kind.

Im Hörbuch wird es zu der Zeit etwas hektisch und wirr.

Die Ermittlungen laufen, Joona Linna tritt auf.
Der Charakter des Joona Linna war für mich der Einzige,
der einigermaßen verlässlich aufgebaut war.

Es gibt viele Wendungen, viele Irrtümer, ein Medium, welches sich gegen Geld der Polizei aufdrängt, um ihre Hilfe anzubieten.

Wirklich schlecht war das Hörbuch nicht. Als ich mich auf die verworrene Story eingelassen habe, bin ich auf den Geschmack gekommen.

Übrigens – sehr überraschend ist der Schluss und ebenso gut gelungen!

Fazit: empfehlenswert, bei dem Sprecher…!!!

Hörprobe von Audible – Flammenkinder

6 von 10 Punkten für „Flammenkinder“
10 von 10 Punkte für Simon Jäger

Autor: Lars Kepler
Sprecher: Simon Jäger
Spieldauer: 15 Stunden, 15 Minuten (ungekürzt)
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlich: 2012

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Danach

DanachBESCHREIBUNG von Audible

Sarah Farber hat überlebt. Drei lange, grausame Jahre in einem Kellerverlies. Zehn Jahre ist das her, aber Sarah kann nicht vergessen: die Dunkelheit, die Kälte, die Verzweiflung, die Panik. Und sie weiß noch immer nicht, was damals mit ihrer besten Freundin Jennifer geschehen ist. Jetzt kann sie nicht länger vor ihrer Vergangenheit davonlaufen. Ihr Peiniger soll auf Bewährung freikommen, und sie ist die Einzige, die das verhindern kann. Aber nur, wenn sie sich dem Schlimmsten stellt, das sie sich vorstellen kann: der Wahrheit. Hier beginnt ihr Weg, ihr Weg zurück in den Keller…

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Meine Meinung

Ich bin sprachlos, wie soll ich dieses Buch passend rezensieren?

Ein Drama erzählt aus der Perspektive der Sarah Farber. Sarah lebt sehr zurückgezogen, verlässt so gut wie nie ihre Wohnung, vermeidet es unter allen Umständen, andere Menschen zu berühren. Warum? Sie war drei Jahre in einem Kellerverlies eingesperrt, zusammen mit anderen jungen Frauen. Was dort mit den Frauen geschehen ist, lässt sich fast nicht beschreiben.

Sarah gelingt die Flucht aus dem Verlies und dadurch bekommt sie die Möglichkeit, ihre Leidensgenossinnen ebenfalls zu retten. Nachdem sie ihre Freiheit hat, distanziert sie sich fast völlig von ihren Mitmenschen. Als zu befürchten ist, dass ihr Peiniger nach 10 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden soll, nimmt sie Kontakt zu den Frauen auf, die mit ihr in diesem grausamen Verlies waren.

Die Frauen sind anfangs überhaupt nicht begeistert, lassen sich jedoch auf ein Treffen ein und das Schicksal nimmt abermals seinen Lauf.

Hochdramatisch beschreibt Koethi Zan die Erinnerungen der Frauen aus ihrer Gefangenschaft. Obwohl sie sich mit blutigen Details sehr zurückhält, macht der Leidensweg der Frauen betroffen.

Zan geht intensiv auf den psychischen Druck einer solchen Gefangenschaft ein und beschreibt es dermaßen gut, dass mir streckenweise die Haare zu Berge standen.

Zan braucht eine Zeit, bis ihr Roman rund wird, anfangs ist die Story etwas holprig. Diese Phase ist nur kurz.

Die Sprecherin liest ziemlich schnell, sehr deutlich. Sie akzentuiert kaum, wodurch die Handlung eine ganz besondere Qualität bekommt.

Ich bin sehr beeindruckt!

Anmerkung: DANACH – es handelt sich um einen Roman. Es muss nicht alles wie im wahren Leben sein. Das nur am Rande.

10 von 10 Punkten für DANACH

10 von 10 Punkten für Maria Koschny

Hörprobe von Audible – DANACH

Autor: Koethi Zahn

Sprecher: Maria Koschny

Spieldauer: 9 Stunden, 18 Minuten (ungekürzt)

Anbieter: Argon Verlag

Veröffentlicht: 2013

 

 

 

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Old Iggy

Old_IggyAm 08. Mai 2012 verstarb die großartige Katzendame „Old-Iggy“,
nachdem sie von einem Fahrrad überfahren worden war.

Old-Iggy brachte uns den korrekten Umgang mit Katzen bei.
Sie war meist geduldig mit uns – nur manchmal nicht :-)

 

 

 

Old-Iggy kam als Streuner und wurde zur geliebten Hauskatze mit Freigang.
An Freigang war sie gewöhnt. Sie war überhaupt ein eigenwilliges Tierchen.
Sie muss ungefähr 13 Jahre alt gewesen sein, als sie zu uns kam.
Für eine Freigängerin hat sie ein stattliches Alter erreicht.

OldIggy

Nach ihrem Tod haben wir sie sehr vermisst.
Wir meinten sie zu hören, wie sie auf der Treppe lief, wir schauten dauernd zur Türe, vor der sie früher saß, wenn sie eingelassen werden wollte.
Wir vermissten ihr Schnurren, ihren Charme, ihre Anwesenheit, ihre Launen.

 

 

Sie hinterließ uns mit einem großen Schmerz im Herzen.

Iggy – Iggy the wild Cat – Old-Iggy – wir haben Dir so viel zu verdanken!

Du hast uns die Liebe zu Katzen ins Herz gepflanzt.

 

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Töte mich

Töte michBESCHREIBUNG von Audible

Sei bereit. Sei schnell. Sei gnadenlos.
Nathan Stiedowe hat einen Plan: der perfekte Killer zu werden. Seine Vorbilder sind “Meister” ihres Faches, kaltblütige Monster wie Charles Manson. Nathan ahmt ihre Taten nach und begeht die grausamsten Morde der Geschichte ein zweites Mal, jedoch ohne die Fehler zu machen, deretwegen seine Idole geschnappt wurden. Sein Meisterwerk soll eine Frau werden, die ihm vor vielen Jahren entkommen ist. Sie ist ein schwieriges Opfer, denn ihr Job ist es, Serienkiller zur Strecke zu bringen.
Dana Whitestone ist dem “Cleveland-Slasher” auf der Spur. Er hat in zwei Wochen vier kleine Mädchen hingerichtet. Er ist der beste Killer, der ihr je untergekommen ist. Dana ahnt, dass dies ihr letzter Fall sein könnte. Denn der Killer hat jedem seiner Opfer einen Plastikbuchstaben in die Bauchhöhle eingenäht.
Zusammengefügt ergeben sie ein Wort: D A N A

Meine Meinung:

Blut und Morde – ohne Ende!
In „Töte mich“ fliegen euch die Leichen nur so um die Ohren.

Den Anfang fand ich verwirrend. Da wird Nathan als schmerzunempfindlicher (Analgesie) Mensch dargestellt, darauf wird im weiteren Hörbuch keinen Bezug genommen. Oder ich habe es verpasst; was ich mir nicht vorstellen kann.

So geht es mit einigen Handlungsansätzen/Beschreibungen, die im Nirwana verschwinden.

Trotzdem ist das Hörbuch spannend. Nathan ist völlig ohne Skrupel. In dem Zusammenhang sind seine Handlungen tatsächlich „schmerzfrei“. Er plant und tötet eiskalt. Mit einem Ziel. DANA zu finden und sie ebenfalls zu töten. Dana sollte schon als Kind getötet werden. Leider hat eine Nachbarin die Polizei gerufen, als er gerade im Haus von Danas Eltern war und er die ganze Familie auslöschen wollte. So blieb Dana verschont. Was Nathan zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte, ist, dass Dana eine erfolgreiche Ermittlerin werden sollte. Die sich darauf spezialisiert hat, Serienkiller wie ihn aufzuspüren.

Bis die Truppe der Ermittler herausfindet, wer das krönende Abschluss-Opfer seiner Mordserie werden soll, ist es fast zu spät.

Sowohl Nathan als auch Dana haben in ihrer Kindheit einige Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Allerdings haben sie es sehr unterschiedlich verarbeitet.

Fazit: spannende kurzweilige Unterhaltung, die, wenn die ganzen losen Erzählfäden nicht losgelassen worden wären, bestimmt ganz toll geworden wäre.

6 von 10 Punkten – trotzdem empfehlenswert
7 von 10 Punkten für Nicole Engeln

Hörprobe von Audible – „Töte mich“

Autor: Jon Osborne
Sprecher: Nicole Engeln
Spieldauer: 7 Stunden, 8 Minuten (gekürzt)
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2011

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Sakrileg

Robert Langdon, Symbolologe aus Harvard, erhält in Paris einen merkwürdigen Anruf: Der Chefkurator des Louvre wurde ermordet aufgefunden. Bei seiner Suche nach den Hintergründen der Tat wird er von Sophie Neveu unterstützt, einer Kryptologin der Pariser Polizei und Enkelin des ermordeten Kurators. Von ihr erfährt er auch, dass der Sions-Bruderschaft angehörte, einer Bruderschaft, die seit Jahrhunderten ein dunkles Geheimnis wahrt.
Meine Meinung:
17,5 Stunden volle Power!
Dan Brown hat einen phantastischen Thriller geschrieben.
Irgendwann um 200x rum habe ich eine Fassung mit vier CDs gehört.
Dieser Hörgenuss war allerdings nichts zu der ungekürzten Fassung von Audible.
Auch nichts zu dem Film „Der da Vinci Code“.
In Sakrileg werden so viele Themen angerissen, dass es mir fast unmöglich erscheint, diese alle in meiner Rezension aufzunehmen.
Die Suche nach dem Heiligen Gral, Tempelritter, Verschwörungstheorien, Kunsthistorie, Architektur, Vatikan-Tratsch, Eckdaten aus dem Schaffen des großartigen Künstlers Leonardo da Vinci und vieles mehr!
Sakrileg macht neugierig. Einige der angerissenen Themen werde ich bestimmt
vertiefen wollen.
Zwei Bilder von da Vinci spielen eine große Rolle. Die MONA LISA und die FELSGROTTEN MADONNA.
Des Weiteren war das Hörbuch deshalb so spannend, weil für Suche nach der Lösung jedes Mal wieder ein Rätsel gelöst werden musste.
Der im Louvre tot aufgefundene Kurator war der Großvater von Sophie Neveu. Sophie ist bei ihrem Großvater aufgewachsen. Ihre Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben.
Seit ihrer frühesten Kindheit löste sie gerne Rätsel und war von der Bastelleidenschaft ihres Großvaters begeistert. Ihr Großvater – ein großer Fan von Leonardo da Vinci – baute vieler seiner kleinen Erfindungen nach. Freut auf die Beschreibung von herrlichen Gebilden.
Sophie und ihr Großvater entzweien sich, als Sophie etwas aus dem Leben ihres Großvaters erfährt, was sie nicht verkraften kann. 10 Jahre gehen dabei ins Land. Als sie in den Louvre zu ihrem toten Großvater gerufen wird, ist es zu spät. Sie bekommt auf alle ihre Fragen keine Antworten mehr von ihm.
Langdon und sie werden des Mordes an dem Kurator verdächtigt und eine atemlose Jagd beginnt. Die beiden müssen sich nicht nur vor den Ermittlern verstecken, sondern haben einige Aufgaben zu lösen, die sie an ihr Ziel führen sollen. Bei diesem anstrengenden Weg treffen sie auf Menschen, denen sie besser nicht vertraut hätten.
Sakrileg ist voller Tempo. Brown lässt seine Protagonisten weder schlafen noch essen. So, dass es für mich als Hörer ebenfalls sehr anstrengend war, das Hörbuch zu hören.
Was ich damit sagen will, die Spannung ist so groß, dass es schwer ist, beim Hören eine Pause zu machen.
Der Schluss war rührend. Nicht kitschig und hat mir gut gefallen.
Das einzig störende Element in Sakrileg ist die Geräusch- und Musikuntermalung.
Der Sprecher, Wolfgang Pampel, ist eine hervorragende Wahl. Pampel ist die Synchronstimme von Harrison Ford.
Na, wen hatte ich wohl die ganze Zeit vor Augen? Indiana Jones …!
8 von 10 Punkten für Sakrileg
8 von 10 Punkten für Wolfgang Pampel, Sprecher
Fazit: Sehr empfehlenswert!
Autor: Dan Brown
Sprecher: Wolfgang Pampel
Spieldauer: 17 Stunden, 27 Minuten (ungekürzt)
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2008
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Das 10. Gebot

Das 10 GebotBESCHREIBUNG von Audible

Detective Lindsay Boxer hat endlich geheiratet. Doch die Erinnerungen an ihre Hochzeit verblassen schnell, als sie mit den Ermittlungen in einem abscheulichen Verbrechen beauftragt wird: Ein junges Mädchen wurde angegriffen und schwer verletzt zurückgelassen, ihr neugeborenes Baby ist wie vom Erdboden verschluckt. Lindsay entdeckt nicht die geringste Spur vom Täter – und auch das Opfer scheint einige Geheimnisse zu bergen. Als weitere Angriffe auf Frauen die Stadt erschüttern, wächst der Druck, das Baby zu finden. Und Lindsay beginnt sich ernsthaft zu fragen, ob sie jemals eine Familie gründen sollte…

Meine Meinung:

Die bisherigen Bücher von Patterson aus der Reihe „Der Club der Ermittlerinnen“ habe ich gelesen. Fast wünschte ich, dass ich bei dem Roman „Das 10. Gebot“ ebenfalls zum Buch gegriffen hätte. Nicole Engeln als Sprecherin von Lindsay Boxer ist keine gute Wahl. Lindsay Boxer wird als taffer Detective dargestellt. Sie muss Entscheidungen treffen und trägt große Verantwortung. Bei einer Sprecherin, die an jedem Satz ein hörbares Fragezeichen hängt, kommt das nicht rüber. Zum Glück gibt es einen weiteren Sprecher: Emmanuel Zimmermann. Leider wird er in der Beschreibung als Sprecher nicht erwähnt. Das vorab dazu.

Ansonsten war „Das 10. Gebot“ ein Volltreffer.
Spannend, unterhaltsam, mit vielen Wendungen. Genau so mag ich das.

In der Inhaltsangabe wird schon darauf hingewiesen, dass es um ein verschwundenes Baby geht. Es wird viel Beheil darum gemacht, dieses Kind zu finden. Die junge Mutter äußert sich kaum zum Tathergang, gibt an, sich kaum erinnern zu können. Die Polizei fürchtet um das Leben des kleinen Lebewesens und setzt alles daran, das Baby zu finden.

Dazu gibt es noch höchst seltsame Vergewaltigungen. Die Opfer werden unweit ihrer Wohnung „abgeladen“. Sind wieder korrekt angezogen und können sich an nichts erinnern. Da eben diese Opfer sich kaum zur Polizei trauen, tröpfeln die Meldungen eher verhalten bei den Ermittlern ein.Trotzdem ergibt sich daraus ein spannender Nebeneffekt zu dem vermissten Baby.

Als ob das nicht schon genug wäre, gibt es noch einen weiteren Schauplatz – einen Gerichtssaal, in dem ein Mord verhandelt wird. Eine Herz-Chirurgin soll ihren Mann ermordet haben. Seit fast einem Jahr sitzt sie in Untersuchungshaft, als es endlich zum Prozess kommt. Fasziniert hörte ich zu, wie sich der Anwalt und die Staatsanwältin darum bemühen, ihre eigenen Standpunkte durchzusetzen. Patterson beschreibt treffend, dass es kaum darum geht, ob sie den Mord begangen hat oder nicht. Sondern, wer die besseren Nerven, die überzeugenderen Zeugen hat und so weiter. Die Staatsanwältin und der Anwalt schenken sich nichts. Diese Passage ist klasse! Hinzu kommt, dass Boxer unfreiwillig in die eigentlich bereits abgeschlossenen Ermittlungen hineingezogen wird und ihrer Freundin, der Staatsanwältin damit gewaltig in den Rücken fällt. Es geht nicht um Recht oder Unrecht. Es geht darum, wer den Prozess gewinnt. Eigenartig.

Ihr seht, im „Das 10. Gebot“ gibt es einiges zu hören.

Meine Empfehlung lautet: Ran an das Hörbuch.

9 von 10 Punkten für „Das 10. Gebot“
6 von 10 Punkten für Nicole Engeln
8 von 10 Punkten für Emmanuel Zimmermann

Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Hörprobe von Audible – Das 10. Gebot

Autor: James Patterson
Sprecher: Nicole Engeln, Emmanuel Zimmermann
Spieldauer: 8 Stunden, 27 Minuten (ungekürzt)
Anbieter: Der Hörverlag
Veröffentlicht: 2013

“Das 10. Gebot” (“10th Anniversary”, 2011) ist der zehnte Roman aus der Reihe “Der Club der Ermittlerinnen” (“Women’s Murder Club”) um die Inspektorin Lindsay Boxer.

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Selbst Denken

welzercover

Rezension: Harald Welzer; Selbst Denken

Gastbeitrag von Heinz W. Droste

Nachdem ich vor kurzem Daniel Kahnemans internationalen Bestseller Thinking, Fast and Slow“ gelesen und rezensiert hatte, griff ich als nächstes zu Harald Welzers „Selbst Denken“, das mir ein Bekannter aus der Öko-Szene empfohlen hatte.

Mein Gedanke war, dass ich durch Kahneman so tief im Thema „Denken“ eingearbeitet bin, dass ich von einem weiteren Buch zum Thema meinen Horizont um ein weiteres Stück erweitern könnte.

Ernsthafte Zweifel an der Begründetheit dieser Hoffnung kamen mir bei der Lektüre des Hardcovers spätestens auf Seite 223, wo Autor Harald Welzer zum ersten und einzigen Mal in seinem Werk so etwas wie eine formal strukturierte Theorie formuliert – das „Welzer’sche Doofen-Theorem“. Das geht ungefähr so:

Jede gesellschaftliche Untergruppe ist, was die Denk-Möglichkeiten ihrer Mitglieder angeht, folgendermaßen strukturiert:

20 % sind nicht-doof („intelligent“)
40 % sind halb-doof („durchschnittlich“)
40 % sind ganz-doof

Welzer: „Unter Professoren gibt es genauso viele dumme Menschen wie unter Polizisten, Putzfrauen oder Polsterern, und umgekehrt.“ – Neckisch diese Alliteration auf „P“ – da weiß jeder sofort, dass Welzer diese Textpassage effektvoll bei öffentlichen Lesungen einzusetzen plant.

Lacher sind hier vorprogrammiert.

Mir ist allerdings das Grinsen gefroren, als ich mich fragte:

„Zu welcher dieser Gruppen gehöre ich, wenn ich dieses Buch hier bis zur letzten Seite lese?“ – Am Ende dieser Buchbesprechung werde ich dringend eine Antwort hierauf geben.

 

Welzers Hirn leidet an Verschleiss.

Greenbrain

 

Vorher muss ich genauer unter die Lupe nehmen, was Welzer im Weiteren über das Denken und seine Möglichkeiten schreibt.

Doch bevor jemand in diesem Zusammenhang auf falsche Gedanken kommt:

Welzers Ansatz hat mit empirisch-wissenschaftlicher Diskussion nichts gemein. Es geht ihm nicht darum – wie dies etwa bei Kahneman der Fall ist – experimentell belegte Hypothesen über das Denken zu diskutieren und daraus nützliche Denktechniken zu entwickeln. Stattdessen konfrontiert der Autor von „Selbst Denken“ seine Leser mit persönlich gefärbten Vorstellungen zu den Denk-Kompetenzen menschlicher Wesen.

Dazu ein weiterer O-Ton – diesmal von Seite 248, wo Welzer darüber grübelt, warum er sich selbst im Alter von 15 ernster genommen hat als heute im Alter von 55 – also 40 Jahre später:

„Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Pubertät auf der Ebene der Gehirnentwicklung eine der vitalsten und reichsten Phasen darstellt: Niemals vorher und hinterher hat man ein schärferes Sensorium für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, für Wahrhaftigkeit und Lüge, für Klugheit und Dummheit. Dieses scharfe Unterscheidungsvermögen schleift sich ab, je mehr man zu wissen und zu verstehen glaubt, und im Ergebnis fühlt man sich plötzlich mit exakt dem einverstanden, was man damals richtigerweise für falsch hielt und gegen das man anzugehen bereit war.“

Man, man, man und nochmals man – dass Welzer sich angesichts einer seit Jahrzehnten äußerst befundreichen neurowissenschaftlichen Forschung traut, solche eigentümlichen Vorstellungen als ausgemachte Erkenntnisse darzustellen!

Demgegenüber können wir als wissenschaftlich belegte Tatsachen annehmen, dass sich unsere Hirne dadurch auszeichnen, dass sie „plastische“ neuronale Systeme sind – Verbindungen darin sind grundlegend flexibel und zwar lebenslang.

Anders als von Welzer behauptet, setzt das Erkennen und Beurteilen von faktischen und moralischen Tatbeständen ständiges Lernen – ständiges Neuverknüpfen von neuronalen Verbindungen im Hirn – voraus. Es ist also absurd, anzunehmen, dass Personen als Pubertierende treffend urteilen könnten und diese Kompetenz mit zunehmendem Alter durch eine Art „Hirnverschleiß“ verlören.

 

Welzer denkt auf höheren Ebenen.

Higher

 

Lohnt sich nach dieser Einsicht, noch weiter in das vorliegende Buch einzusteigen?

Machen wir einfach weiter: Jedem Denk- und Bewusstseinsprozess liegt ein paralleler Prozess im neuronalen System des menschlichen Hirns zugrunde – die Basis vom „Selbst Denken“ sind also Hirnprozesse. Mit Blick auf das vorliegende Buch muss ich feststellen, dass diese materiellen Grundlagen unseres Denkens den Autoren Harald Welzer nicht interessieren.

Dennoch – vielleicht ist an seinen Überlegungen dennoch etwas dran – möglicherweise etwas Höheres, Bedeutenderes als neurophysiologische Mechanismen, das den Leser interessieren könnte.

Gehen wir mit der Lektüre systematisch weiter:

Was ist überhaupt der Plot in Welzers Buch?

Der ist schnell umrissen:

Sein „Selbst Denken“ gliedert sich in zwei Hauptteile – Teil 1 geht von Seite 1 bis Seite 133, Teil 2 von Seite 133 bis Seite 293.

Teil 1 widmet sich der „Beschimpfung“ der Leser, Teil 2 wird deshalb eingeleitet mit den Worten „Das ist der Augenblick, an dem ich aufhören muss, Sie zu beschimpfen.“ – es beginnt die Phase der „moralischen Unterweisung“.

Worauf zielt der Autor ab?

Welzer setzt bei seiner Beschimpfungs- und Moral-Mission bei dem Faktum an, dass unsere Welt keine weiteren CO2-Emissionen mehr absorbieren kann und dass deshalb die Menschheit dringend auf weiteres expansives Wirtschaftswachstum verzichten muss. Wie Welzer es ausdrückt, es ist dringend von einer expansiven auf eine reduktive Kultur umzustellen, „vom Wachstum zur Kultivierung, vom Aufbau zum Ausbau“.

Teil 1 dient Welzer dazu, den Lesern im Detail ihre Verantwortung für die Schädigung der Umwelt sowie ihre Rolle für die möglichst effektive zukünftige Reduktion der Treibhausgasemission vor Augen zu führen.

Teil 2 dient dem Autoren dazu zu zeigen, wie die Leser durch die Schaffung eines moralischen Bewusstseins, durch „moralische Phantasie“ und durch das Nutzen von „moralischen Streckübungen“ dahin zu kommen, Wege zur CO2-Reduktion individuell zu ermitteln und zu beschreiten. Welzer möchte uns Leser ethisch verpflichten, uns ständig Gedanken darüber zu machen, ob wir nicht gerade wieder direkt oder indirekt die Luft „versauen“. Wir sollen uns in unserem Denken die Kultur der Umweltschonung als laufende Verpflichtung auferlegen und uns grundlegend emissionsverhindernd verhalten.

 

Welzer trinkt nicht gerne „Kraneberger“.

GlasWasser

 

Das hört sich recht ehrenwert und vernünftig an. – Doch funktioniert diese Pflicht-Ethik?

Wir brauchen Welzer lediglich anhand eines seiner eigenen Beispiele „beim Wort zu nehmen“, um diese Frage zu beantworten:

Einer seiner Umwelt-Pflicht-Vordenker ist der Unternehmer Peter Kowalsky, der eine besondere Limonade, die „Bionade“ auf den Markt gebracht hatte:

„Peter Kowalsky begann, Nachhaltigkeit offensiv zu thematisieren, und es gibt kaum einen Preis mit »öko« oder »bio« im Namen, der ihm im Laufe der vergangenen Jahre nicht verliehen wurde.“ (S. 266)

Für Welzer ist das Beispiel einer Limonade also ein wichtiges Lehrstück für seine pflicht-ethische Diskussion. Dass der Autor sein eigenes Pflicht-Ethik-Konzept damit ad absurdum führt, ist offensichtlich. – Oder?

Falls doch nicht und damit ich jetzt endlich selbst denke, liste ich auf, warum das so ist:

Wenn es zukünftig darum geht, konsequent auf unnötige CO2-Emissionen zu verzichten, haben wir unser bisheriges Konsumverhalten radikal zu verändern. Statt mit dem Auto zum Supermarkt zu fahren, um kistenweise in Flaschen gezogenes Getränk zu kaufen, bleiben wir zu Hause und bedienen uns aus dem Wasserkran.

Was da heraus kommt, hat manches Mal eine höhere Qualität, als das, was in Super- und Getränkemärkten an industriell aufbereitetem H2O angeboten wird. Wenn wir dieses Industrie-H2O nicht kaufen, industriell gefertigte Erfrischungsgetränke immer weniger nachgefragt und produziert werden, entfallen CO2-Emissionen im Rahmen von Logistik, Verpackungsherstellung, Lagerung, Betreibung eines Pfand-Glasflaschen-Systems, Produktion und Recycling von Pfand-Kunststoffflaschen sowie von Kunststoff-Einwegflaschen usw. Natürlich werden dadurch noch viele weitere Ressourcen eingespart.

Jemand, der eine „Bio-Limonade“ auf den Markt bringt, setzt den falschen Impuls. Denn er bringt insbesondere Konsumenten, die an biologisch-sensibler Produktion von Nahrungsmitteln und an ökologischer Nachhaltigkeit interessiert sind, dazu, etwas zu konsumieren, das ihrem eigentlichen Interesse an der Schonung der Umwelt widerspricht – sie trinken H2O mit Geschmack und Zucker, das im Vergleich zu Kranwasser über eine erbärmliche Ökobilanz verfügt.

 

Pflichtethiken taugen nicht zur Gestaltung einer besseren Zukunft.

Was folgt aus diesem Beispiel: Pflichtethiken wie die von Harald Welzer haben grundlegende Schwächen.

Eine davon haben wir uns gerade angesehen: Sie klären nicht deutlich genug, was richtig ist und wie wir uns in konkreten Situationen korrekt zu verhalten haben.

Diese Ethiken bewerten vor allem die Gesinnung von Menschen – loben wie gesehen gedankenlos umweltbelastende Konsumprodukt-Ideen -, bewerten deren Ethos nicht danach, welche Konsequenzen ihr Handeln hat.

Welzer scheut sich nicht, sein Ignorieren von Handlungskonsequenzen deutlich einzugestehen. Entsprechend formuliert er die Regel 10 auf der letzten Seite seines Buch (S. 293) zur Gewissenentlastung der Leser: „Sie haben keine Verantwortung für die Welt.“

Denn das Einüben der richtigen Gesinnung, die moralische „Streckung“, das ist es, worum es in „Selbst denken“ geht – nicht darum, systematisch darüber zu reflektieren, wie es uns gelingen kann, konkret an der „Formel“ für Klimagas (CO2 = P . GDP . gini . (1 – ς) . TMR)* zu arbeiten, um CO2-Emissionen tatsächlich einzuschränken.

Fazit: Die moralische Mission des Buchs ist gescheitert.

 

Welzers Leser sind „viertel-doof“.

Nun komme ich noch einmal zurück auf die Frage, die ich zu Beginn gestellt habe, und damit auf Welzers „Doofen-Theorem“.

Nachdem ich Harald Welzers Buch von vorne bis hinten gelesen habe – für wen muss ich mich jetzt eigentlich halten?

Für einen der 20% Nicht-Doofen, einen der 40% Halb-Doofen oder einen 40% Ganz-Doofen meiner sozialen Schicht?

Nach kurzer Überlegung habe ich folgende Antwort:

Gehörte ich zu den Nicht-Doofen, hätte ich vor der Lektüre geblättert, hätte die letzte Seite gelesen und wäre auf die Regel 10 gestoßen (Sie haben keine Verantwortung für die Welt.). Ich hätte gedacht, wenn nach 293 Seiten egal ist, was ich tue, und ich keine Verantwortung übernehmen brauche, ist mir auch das Buch egal. Ich hätte es zur Seite gelegt und nicht weiter beachtet.

Gehörte ich zu den Ganz-Doofen, würde ein Titel wie „Selbst-Denken“ mich wahrscheinlich weder begeistern oder zum Lesen motivieren. Hörte sich zu sehr nach Anstrengung und angesichts beschränkter Kompetenz nach höchst ungewissem Erfolg an.

Ich gehöre also am ehesten in die Gruppe der Halb-Doofen. Das versetzt meinem Selbstwertgefühl einen gewissen Stich. Lieber hätte ich zu den oberen 20 % gehört. Mist!

Doch zwei Dinge trösten mich:

1. Meine Halb-Doofen-Gruppe ist groß. Geteilte Doofheit ist vielleicht halbe Doofheit. Da wir von Anfang an ja nur halb-doof sind, können wir uns gemeinsam zur Viertel-Doofheit aufschwingen.

2. Und wenn ich alt bin und meine Geistesstärke noch weiter abnimmt, falle ich nicht direkt aus dem System. Ich kann in die untere Liga absteigen und da einen glücklichen, unbedarften Lebensabend verbringen.

 

Details zum Buch:

Harald Welzer; Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand; März 2013; 336 Seiten, ISBN-13: 978-3100894359

 

*: Erläuterung:

Provisorische Formel für das Volumen der CO2-Emissionen nach Bunge/Wilkinson:

CO2 = P . GDP . gini . (1 – ς) . TMR

Folgende Faktoren bestimmen demnach den Ausstoß von Klimagas:

P = Population – Größe der Bevölkerung

GDP = Gross domestic product – Produkte und Dienstleistungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums hergestellt werden – Indikator des Lebensstandards einer Bevölkerung

gini = Der Gini-Koeffizient – statistisches Maß für die Einkommens-Ungleichverteilung in einer Bevölkerung

ς = Spar-Rate s (savings rate) – Indikator für die Verbrauchs-Gewohnheiten einer Bevölkerung, insbesondere deren Tendenz durch sorgsamen Umgang mit Energie, dem Meiden des Einkaufs von Wegwerfartikeln, dem Meiden des Betriebs ressourcenverschwendender Vehikel (z.B. von SUVs) usw. zu sparen

TMR = Technologische Ineffizienz-Rate (total material requirement) – ein Indikator dafür wieweit beispielsweise erneuerbare Energien eingesetzt werden, um den Verbrauch fossiler Energien zu drosseln

Nun können wir bei der Arbeit an praktischen Fragen tatsächlich mit dem Selberdenken beginnen:

Wie erreichen wir

  • eine Drosselung des Wachstums der Bevölkerung?
  • parallel eine Drosselung des Konsums und Herabsetzung für das Überleben nicht notwendiger Lebensstandards?
  • die Drosselung der für die einzelnen Gesellschaften enorm hohen Kosten ökonomischer Ungleichheit in ihren Bevölkerungen?
  • die Erhöhung der laufenden Einsparung von Energie und Ressourcen?
  • und die Verringerung der technologischen Ineffizienz?

Literatur:

Bunge, Mario; „Climate an Logic“, in: Mario Bunge, Evaluating Philosophies; Dortrecht, Heidelberg, New York, London; 2012 (S. 57 – 59)

Wilkinson, Richard; Kate Pickett, The Spirit Level. Why More Equal Societies Almost Do Better; London 2009

Gastbeitrag von Heinz W. Droste

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Schnelles Denken, langsames Denken

Kahnemans_Denken Beschreibung von Audible:

Wie treffen wir unsere Entscheidungen? Warum ist Zögern ein überlebensnotwendiger Reflex, und was passiert in unserem Gehirn, wenn wir andere Menschen oder Dinge beurteilen? Daniel Kahneman, Nobelpreisträger und einer der einflussreichsten Wissenschaftler unserer Zeit, zeigt anhand ebenso nachvollziehbarer wie verblüffender Beispiele, welchen mentalen Mustern wir folgen und wie wir uns gegen verhängnisvolle Fehlentscheidungen wappnen können.

Gastbeitrag von Heinz W. Droste:

Zum Buch:
In seinem streckenweise populärwissenschaftlich-leicht, detailreich formulierten Buch versucht Kahneman, seine Ergebnisse durch die Metapher der Existenz zweier „Denksysteme“ plausibel zu machen.

Er stellt ein „System 1” vor, das er mit schnellen, spontanen, emotionalen und intuitiven Denkprozessen in Verbindung bringt. Diese Prozesse laufen parallel und oftmals in Konkurrenz zu Bewusstseinsvorgängen eines langsamen „Systems 2”, dem Kahneman „anstrengendes“ Denken zuordnet, das damit beschäftigt sein soll, Dinge logisch zu beurteilen, anhand rationaler Standards zu bewerten usw. Nach Kahnemans Beobachtung führt das intuitive System 1 im Alltag meist zu korrekten Entscheidungen und zweckdienlichem Verhalten. In manchen Situationen scheint seine Kompetenz allerdings nicht hinzureichen. Das führt laut Kahneman dazu, dass unbemerkt falsche Entscheidungen gefällt werden.

Kahneman beobachtet eine weitere typische Problem-Konstellation: Es komme vor, dass sich System 1 überfordert fühle und deshalb System 2 bewusst aktiviert würde. System 2-Aktivitäten sind laut Kahneman extrem anstrengend, Denken verlangsamend, große Konzentration erheischend – können aber in solchen Situationen zu vernünftigen Lösungen führen und dadurch Fehlern von System 1 vorbeugen. Oft würde allerdings System 2 – wegen seiner angestammten „Faulheit“ – zu wenig aktiv, was zu Entscheidungen führen könne, die unzweckmäßig seien. Weiteres Problem laut Kahneman: System 2 ist nicht unfehlbar, sondern macht in bestimmten Situationen selber typische Fehler.

Das ist – grob beschrieben – der äußerst spannende und unterhaltsame „Plot“ in Kahnemans Buch.

Zur Umsetzung:
Was mich ein wenig verstört hat, ist, wie die tolle Buchvorlage als Hörbuch umgesetzt wurde. Der Sprecher Jürgen Holdorf liest das Buchmanuskript  einfach wortwörtlich vor – ungekürzt und offenbar unbearbeitet. Statt eine spezielle Hörbuch-Version zu produzieren, die auf die Besonderheiten der Sinnaufnahme des Hörers Rücksicht nimmt, wird der Sachtext “erbarmungslos” in gleichbleibendem Tempo streckenweise phlegmatisch heruntergelesen. Hauptsätze werden durch falsche Betonung entstellend vom Nebensatz “amputiert”.

Das Hörbuch hatte zwar den kaum zu überschätzenden Nutzen, mich in zwei, drei Tagen die komplette Übersicht über Kahnemans Werk und die von ihm zusammengestellten Befunde “reinziehen” zu lassen. Doch da ich nachhaltig von Kahnemans Buch profitieren möchte, habe ich mir kurzerhand das Buch in der Originalsprache besorgt. Da fiel mir noch auf, dass Kahneman mit Grafiken arbeitet, um seine Themen zu illustrieren. In der vorgelesenen Version ist von dieser pädagogischen Hilfe gar nichts zu spüren.

Bewertung:

Die Buchvorlage ist top – ich gebe 10 Punkte
(ich empfehle Beschaffung eines Buch-Exemplars).

Die Umsetzung als Hörbuch wird dem Inhalt nicht wirklich gerecht –
dafür gebe ich 5 von 10 Punkten.

Der Sprecher scheint mit dem Thema bei komplexen Sätzen überfordert zu sein – dafür gebe ich 1 von 10 Punkten.

Hörprobe von Audible – Schnelles Denken, langsames Denken

Autor: Daniel Kahneman

Sprecher: Jürgen Holdorf

Spieldauer: 20 Stunden, 47 Minuten (ungekürzt)

Anbieter: Der Hörverlag

Veröffentlicht: 2012

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Der Algorithmus der Liebe

Der Algorithmus der LiebeBESCHREIBUNG von Audible

Mithilfe seines Computerprogramms hat Sam sie gefunden: seine Traumfrau. Als deren Großmutter stirbt, will er sie trösten und lässt per Rechner aus alten E-Mails der Oma neue Nachrichten generieren. Meredith ist begeistert und will anderen ebenfalls die Möglichkeit bieten, so mit geliebten Verstorbenen in Kontakt zu bleiben. Damit beginnt eine große Prüfung für die tiefe Liebe zwischen Sam und Meredith.

Meine Meinung:

Es fällt mir schwer, eine Rezension zu diesem Hörbuch zu schreiben.
„Der Algorithmus der Liebe“ wurde von Laurie Frankel
mit viel Liebe zum Detail kreiert.

Die Handlung ist gut durchdacht, die Personen sind ganz zauberhaft
beschrieben, so dass ich mir jede Einzelne problemlos vorstellen konnte.
Der Schreibstil ist witzig, die Pointen sitzen, selbst tragische Passagen
in dem Hörbuch sind nicht kitschig geworden.

Ich habe das Hörbuch auf Empfehlung gehört und konnte es eben wegen
des guten Stils nicht abbrechen.

Bei mir scheiterte es am Thema.

1.    NERDs (Programmierer) – damit habe ich schon beruflich genug zu tun
2.    Künstliche Intelligenz
3.    Kommunikation mit Toten

Sam hat es liebevoll gemeint, als er für seine Freundin ein Programm schrieb,
so, dass sie weiterhin mit ihrer Großmutter chatten konnte.
Für mich geht das einen Schritt zu weit. Wer den Lebenden so wenig
Liebe entgegenbringt, dass er über den Tot hinaus mit ihnen Kontakt halten
muss, hat was falsch gemacht.
Wer kübelweise Blumen zu Gräbern trägt, ohne der Person vorher im Leben
jemals Blumen geschenkt zu haben – hat Grundlegendes nicht verstanden.

Nun ja, das ist Ansichtssache und es handelt sich um einen Roman.

Hier ein Link zu einer sehr viel positiveren Rezension,
den ich euch nicht vorenthalten möchte – von @pingu1000

8 von 10 Punkten für gute Leistung
9 von 10 Punkten für den Sprecher – Oliver Wnuk

Hörprobe von Audible – Der Algorithmus der Liebe

Autor: Laurie Frankel
Sprecher: Oliver Wnuk
Spieldauer: 6 Stunden, 29 Minuten (gekürzt)
Anbieter: Random House Audio, Deutschland
Veröffentlicht: 2013

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Kahneman und das “dritte System”

Gastbeitrag von Heinz W. Droste (konzeptionstechnik.de):

11. April 2013 Etwas spät – erst vor einigen Wochen – habe ich das Buch von Daniel Kahneman – Schnelles Denken, langsames Denken – entdeckt: Besser spät als nie!

Dabei kenne ich Ausschnitte Kahnemans Arbeiten schon seit langem. Das zusammen mit Amos Tversky und Paul Slovic herausgegebene “Judgement under uncertainty: Heuristic and biases” (1982) hat einen festen Platz auf meinem Bücherregal.

Aufmerksam geworden bin ich auf Kahneman durch Amati Etzionis “The Moral Dimension” (1988) und Mario Bunges kritische Analysen des ökonomischen Paradigmas. In eigenen Texten habe ich mich wiederholt auf Kahnemans und Tverskys Forschungsergebnisse bezogen (z.B. in: „Kommunikation, Band 2“).

Nun bin ich also vor kurzem – ich muss zugeben, durch Zufall und Abwegen – auf Kahnemans aktuellen „Bestseller“ gestoßen: Ein Verlag hat allen Ernstes den Text unbearbeitet als “Hörbuch” produzieren lassen.

 

Kahneman BuchTitel

(Vergrößern durch Klicken!)

Wie sich Beschreibungen von psychologischen Versuchen und deren Auswertungen als „Hörbuch-Futter” für Smartphones tatsächlich befriedigend „verdauen“ lassen, möchte ich an dieser Stelle nicht bewerten. Das betreffende Hörbuch hatte zumindest den kaum zu überschätzenden Nutzen, mich in zwei, drei Tagen die komplette Übersicht über Kahnemans Werk und die von ihm zusammengestellten Befunde “reinziehen” zu lassen.

Nach einem strapaziösen „Hörgenuss“ werde ich im nächsten Schritt – von der Bedeutung Kahnemans Buch überzeugt – die Originalausgabe des Buchs durchackern und all die schönen Einblicke in das menschliche Entscheidungsverhalten übersichtlich in ein Mindmap übertragen und so schnell abrufbar machen. Das ist wichtig. Denn mir würde es ansonsten so gehen wie vermutlich manchem anderen Konsumenten des Hörbuchs: Ca. 80 Prozent der Kahnemanschen Einsichten hätte ich bereits nach zwei Wochen vergessen. – Das nur am Rande.

 

Macht Kahneman uns nachhaltig schlauer?

Doch nun mal Klartext: Unter der Voraussetzung, dass wir es schaffen, Kahnemans Befunde festzuhalten (egal ob im Kopf oder Schwarz-auf-Weiss) – was können wir mit ihnen anfangen?

Die deutsche Ausgabe seines Buchs ist vom „Spiegel” zum „Bestseller” gekürt worden. Was passiert nun? Werden die Leser, nachdem sie detailreich das falsche Denken in Entscheidungssituationen vorgestellt bekommen haben, ihr Verhalten ändern, journalistischen Schlendrian besser erkennen, spontan und konsequent scharenweise ihr Abo des Spiegel kündigen, das nach Kahneman – wie die meisten Medien – mit falsch gewichteten Fakten überfrachtet sein dürfte? Den letzten Verkaufstrick ihres Vermögensberaters durchschauen und nun zu ihrer Bank laufen, um ihr Aktienportfolio umzubauen? – Wohl kaum!

Wie ist stattdessen der Nutzen des Buchs realistisch einzuschätzen? Kahneman hat in Schnelles Denken, langsames Denken an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, dass er und seine Kollegen immer wieder zeigen konnten, dass die Vertreter klassischer Wirtschaftstheorien mit offensichtlich falschen Annahmen zum menschlichen Entscheidungsverhalten operieren. Kahnemans anschließende Diskussionen mit Wirtschaftstheoretikern und –praktikern hat aber nicht dazu geführt, dass diese eine Änderung ihrer Theorien und Selbstkonzepte vornahmen.

Kahneman beklagt das Ignorieren seiner Befunde an verschiedenen Stellen seines Buchs. Er führt das Vernachlässigen seiner Arbeit darauf zurück, dass einmal etablierte Theorien sich nicht ändern, “nur” weil sie mit der Realität kollidieren. Max Planck soll einmal gesagt haben, dass falsche Theorien erst dann verschwinden, wenn ihre Befürworter “aussterben”. Da die klassische Ökonomie an Universitäten fest etabliert ist und ständig neuer Nachwuchs herangezogen wird, kann das nachgewiesenermaßen falsche Grund-Paradigma des rationalen Wirtschaftsakteurs auf diesem Weg nicht „abgewickelt” werden.

Dass volkswirtschaftliche Theorien und Formeln “fiktiven” Charakter haben und Volkswirte bestenfalls durch den Mechanismus sich selbsterfüllender Prophezeiungen (wie Homöopathen aufgrund des Placebo-Effekts) Realitätsänderungen bewirken, ist empirisch-wissenschaftlichen Analytikern klar, und interessiert mich heute hier nicht. (Darüber habe ich mich bereits in anderen Beiträgen mehrfach ausgelassen.) Denn ich denke, dass die schockierende Ignoranz Kahnemans Befunden gegenüber – zumindest teilweise – durch eine schwerwiegenden “Auslassung” – einen blinden Fleck – in seiner eigenen Arbeit vorprogrammiert ist.

 

Dem „blinden Fleck“ auf der Spur

Was hinter diesem blinden Fleck steckt, beleuchte ich nun Schritt für Schritt.
In seinem streckenweise populärwissenschaftlich-leicht formulierten Buch versucht Kahneman, seine Ergebnisse durch die Metapher der Existenz zweier „Denksysteme“ plausibel zu machen.

Er stellt ein „System 1” vor, das er mit schnellen, spontanen, emotionalen und intuitiven Denkprozessen in Verbindung bringt. Diese Prozesse laufen parallel und oftmals in Konkurrenz zu Bewusstseinsvorgängen eines langsamen „Systems 2”, dem Kahneman „anstrengendes“ Denken zuordnet, das damit beschäftigt sein soll, Dinge logisch zu beurteilen, anhand rationaler Standards zu bewerten usw. Nach Kahnemans Beobachtung führt das intuitive System 1 im Alltag meist zu korrekten Entscheidungen und zweckdienlichem Verhalten. In manchen Situationen scheint seine Kompetenz allerdings nicht hinzureichen. Das führt laut Kahneman dazu, dass unbemerkt falsche Entscheidungen gefällt werden.

Kahneman beobachtet eine weitere typische Problem-Konstellation: Es komme vor, dass sich System 1 überfordert fühle und deshalb System 2 bewusst aktiviert würde. System 2-Aktivitäten sind laut Kahneman extrem anstrengend, Denken verlangsamend, große Konzentration erheischend – können aber in solchen Situationen zu vernünftigen Lösungen führen und dadurch Fehlern von System 1 vorbeugen. Oft würde allerdings System 2 – wegen seiner angestammten „Faulheit“ – zu wenig aktiv, was zu Entscheidungen führen könne, die unzweckmäßig seien. Weiteres Problem laut Kahneman: System 2 ist nicht unfehlbar, sondern macht in bestimmten Situationen selber typische Fehler.

Das ist – grob beschrieben – der äußerst spannende und unterhaltsame „Plot“ in Kahnemans Buch.

 

Warum ignorieren Ökonomen Kahnemans Belege?

Wie hängt diese „Geschichte“ mit der unerschütterlichen Ignoranz der Ökonomen zusammen – warum können diese angesichts einer überwältigenden Befundlage ihr Desinteresse stur aufrechterhalten?

Mein Erklärungs-Vorschlag:

Kahneman belegt anhand ständig neuer Untersuchungs-Ergebnisse, dass Wirtschaftakteure nicht rational handeln und dass deren Denken, anders als von der Ökonomie behauptet, nicht logisch konsistent ist.

Die kognitive Psychologie Kahnemanscher Prägung zeigt zwar, wie das Entscheidungsverhalten von Individuen in der Praxis nicht funktioniert. Sie hat aber keine Alternative im Sinne einer geschlossenen Theorie dazu, wie es tatsächlich operiert. Angesichts eines fehlenden geschlossenen theoretischen Gegenentwurfs ist es kein Wunder, dass die betroffenen Theoretiker und Praktiker – also angesichts einer kritischen Nicht-Theorie – unerschütterlich mit dem arbeiten, das sie haben, auch wenn es offenbar falsch ist. Denn sie benötigen eine Theorie. (Wie sollen sie ansonsten ihre Formeln „zimmern“? Was sollen sie zukünftig in ihre voluminösen BWL- und VWL-Lehrbücher schreiben? Welchen Stoff könnten sie in Zukunft bei ihren Ökonomie-Studenten abprüfen?) Mit verstreuten Befunden und unzusammenhängenden negativen Signalen lässt sich kein nutzbares alternatives Gesamtbild wirtschaftlichen Handelns konstruieren.

Was fehlt?

Zur Beantwortung dieser Frage lohnt es sich, kurz auf den „Zustand“ der Psychologie als empirisch-wissenschaftliche Disziplin zu blicken. Schon seit Jahrzehnten – so habe ich sie bereits in den achtziger Jahren im Studium kennengelernt – beklagen Vertreter des Fachs eine Theorie-Krise der Psychologie. Die Entwicklung geschlossener Theorien ist nicht die Stärke psychologischer Forschung. Stattdessen dominieren in psychologischen Forschungsfeldern isolierte Hypothesen und verstreute, eklektizistische Erklärungsansätze.

Beispiel: In der Sozialpsychologie habe ich mich mit Balance-„Theorien“ beschäftigt. Dabei handelt es sich um Einstellungs-„Theorien“, die versuchen zu erfassen, warum und unter welchen Umständen Menschen ihre Einstellungen ändern. Diese „Theorien“ behaupten, dass Individuen vor allem konsistente und widerspruchsfreie Bewusstseinszustände erstreben. Einstellungs-Dynamiken werden deshalb mit Hilfe eines hypothetischen menschlichen Hangs zum Fokussieren auf Harmonie und Balance erklärt. Dummerweise gibt es im gleichen Feld der Psychologie auch eine „Dissonanz-Theorie“, die alles damit erklärt, dass Individuen vor allem auf Dissonanzen und Disbalancen blicken.

In der Sozialpsychologie werden scheinbar völlig widersprüchliche Hypothesen genutzt, um die gleichen Phänomene zu erklären. Das irritiert den Betrachter, der im Methoden-Unterricht gelernt hat, dass Theorien aus Hypothesen aufzubauen sind, die logisch konsistent sind.

Entsprechende Irritationen löst in Details auch Kahnemans Text aus: Einmal leitet er aus seinen Untersuchungen ab, dass Aktienanleger über große Zeiträume möglichst keine Änderungen an ihrem Aktienportfolio vornehmen sollen, wenn sie optimale langfristige Renditen erzielen wollen. Weiter hinten im Buch kritisiert er, dass Anleger in Situationen zu spät auf sich verändernde ökonomische Daten reagieren, zu lange an ihren Aktien festhalten und diese nicht rechtzeitig abstoßen. Welche Aktien-Strategie ist nun die richtige – die stoisch-unerschütterliche oder die Veränderungen zügig nachvollziehende?

 

 

Black Boxes sorgen für Intransparenz.

Woher kommen diese Widersprüchlichkeiten? Meiner Meinung nach hängt dies vor allem mit der merkwürdigen „individualistisch-behaviorischen“ Perspektive dieser kognitiven Psychologie zusammen. Kahneman und seine Kollegen „reißen“ ihre Probanden in ihren Betrachtungen und Experimenten aus Lebensumständen heraus und betrachten ihre Kognitionen in künstlich isolierten Entscheidungs-Situationen als „Black-Boxes“.

Erläuterung: Kahneman steckt seine Beobachtungsergebnisse wie gesehen in zwei schwarze, von außen gesehen „intransparente“ Kisten. Die eine Box nennt er „System 1“ und die zweite „System 2“. Die Undurchsichtigkeit dieser Kisten erkennen wir daran, dass Kahneman keine Aussagen darüber macht, aus welchen Komponenten diese „Systeme“ bestehen oder gar dazu, in welchen Beziehungen ihre Teile und Subsysteme stehen, welche Strukturen sie dabei bilden, in welche Prozesse diese Boxen involviert sind, welche Mechanismen in ihnen wirken und so weiter. Alles Dinge, die ein empirischer Forscher erklären muss, wenn er im methodologisch angemessenen Sinn von „Systemen“ spricht.
Kahneman erforscht in seinen Experimenten und deren Auswertungen offenbar keine Systeme, sondern gibt sich mit Hinweisen auf „intransparente“ Bewusstseins-Prozesse zufrieden, die er aus einer Außenperspektive heraus anhand zweier Begriffe zu klassifizieren sucht.

Die diesen Prozessen zugrundeliegenden empirischen Systeme kennt Kahneman nicht – er macht lediglich Andeutungen.

Jeder Denk-Prozess basiert auf neuronalen Prozessen. Das weiß Daniel Kahneman natürlich – an der einen oder anderen Stelle versucht er deshalb, Befunde aus der aktuellen neurophysiologischen Forschung in Zusammenhang mit seinen Untersuchungs-Ergebnissen zu bringen. Erklären kann er seine Befunde nach Kriterien der empirisch-wissenschaftlichen Forschung dadurch allerdings nicht – er entwickelt keine neuro-kognitive Theorie oder Ähnliches.

Drei_Systeme

Das „dritte System“ fordert seinen Anteil ein.

Zwischenergebnis: Aus meiner Sicht liegt der Grund dafür, dass Kahneman keine geschlossene Theorie des menschlichen Entscheidungsverhaltens vorlegen kann, in seiner individualistischen Ontologie (die übrigens auch für ökonomische Theorien typisch ist) und seiner empiristisch-behavioristischen Methodologie begründet.

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Damit möchte ich seine Befunde und die Vielfalt der von ihm zusammengetragenen Verhaltensphänomene in Entscheidungssituationen nicht verwerfen oder wegkritisieren. Im Gegenteil: Ich frage mich, wie ich seine Ergebnisse in eine Perspektive übernehmen kann, in der ich maximalen Erkenntnis-Nutzen aus ihnen ziehe. Und zwar indem ich mir vergegenwärtige, was er systematisch ausgelassen hat … also indem ich nun analysiere, was fehlt und indem ich, überlege, wie es zu ergänzen ist.
Um es kurz zu machen: Es gibt ein „drittes System“, das Kahneman nicht explizit erwähnt, dessen Berücksichtigung aber die gesuchte Gesamtperspektive möglich macht.
Ich sage bewusst „explizit“ – denn „implizit“ kommt dieses System in seinem Buch ständig vor. Kahneman macht laufend Hinweise darauf, ohne es direkt anzusprechen und ohne diesem System in seinen Untersuchungen Raum zu geben.

Um es zu entdecken, müssen wir genau hinschauen, zwischen die Zeilen seines Textes. – Ich bin erst nach dem Hören des letzten Kapitels seines Buchs darauf gekommen – knapp zwei Tage Inkubationszeit brauchte mein Hirn. Da kam der Gedanke, als ich mich unvermittelt fragte:

Wer erzählt in Kahnemans Buch eigentlich diese Geschichte? Wer entwickelt eigentlich Kahneman unterhaltsamen Plot? System 1 oder System 2?

System 1 arbeitet im Dunklen, ist sich über seine Aktivitäten nicht selber bewusst – System 2 ist faul, angestrengt und schnell müde. Beide fallen als mögliche Denk- und Erzähl-Instanzen aus – das eine Denken „kann“ nicht, das andere „will“ nicht. – Aber Kahnemans Denken sprudelt in seinem Buch locker vor sich hin. Also: Wer spricht da?
Es gibt da ein „munteres“ weiteres „Denk-System“ – ein System 3. Was ist es? Schauen wir genau hin:

Da verläuft ein simulierter Dialog zwischen dem Autor Kahneman und seinem Leser. Er spricht den Leser laufend direkt an und motiviert zum weiteren Begleiten durch die anregende Geschichte seiner Forschungen und seiner Freundschaft zu Amos Tversky, seinen Gesprächen mit ihm. Laufend fließt außerdem Kahnemans Diskurs mit anderen Wissenschaftlern ein, die Auseinandersetzungen mit seinen Auftraggebern, mit Mitarbeitern aus Fond-Gesellschaften usw.

Also: Das dritte System ist das reale Interaktionssystem, das Kahneman im Rahmen seines Arbeitslebens um sich herum aufgebaut hat. Hier ist er zu seiner einmaligen Positionierung gekommen: Nobelpreisträger für Ökonomie, der kognitive Psychologe, der stets diese „seltsamen“ Fragen stellt, Probanden mit Entscheidungen zu prozentualen Gewinnchancen quält, der Forscher, der Wirtschaftswissenschaftler in Verlegenheit bringt, ihr Grundparadigma „zerdeppert“ usw.

Der Begriff des Interaktionssystems leitet zu einem bemerkenswerten parallelen Feld der Psychologie: zur Kleingruppen-Forschung.

BalesKonzept Blog

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Bei der experimentellen Erforschung von sozialen Interaktionssystemen war ein amerikanischer Wissenschaftler zeitgleich mit Kahneman und Tversky in Harvard mit ähnlichen „Denk-Phänomenen“ beschäftigt. Der Kleingruppen-Forscher Robert F. Bales ist bei seinen langjährigen Untersuchungen ebenfalls auf die gegenläufigen Orientierungen gestoßen, die Kahneman als schnelles, intuitives Denken auf der einen Seite und langsames, kontrollierendes Denken auf der anderen Seite charakterisiert hat. Bales hat dafür lediglich andere Bezeichnungen gewählt: Er spricht von emotionalen „Backward“-Orientierungen und kontrollierenden „Forward-Orientierungen“.

Nachdem mir diese Parallelität aufgefallen war, schaute ich mir Bales’ Beschreibungen dieser Orientierungen genauer an, um im Detail zu vergleichen. Mein Ergebnis: Seine Beschreibungen sind so nahe an Kahnemans Vorstellungen, dass sie damit austauschbar zu sein scheinen. Beide Forscher – Kahneman und Bales – sind offenbar parallel, auf ganz unterschiedlichen Wegen auf dieselben typischen Denk-Muster und Orientierungs-Alternativen gestoßen.

KahnemanBalesKompassBlog

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Daraus schließe ich nun Folgendes:
Kahnemans Befunde können wahrscheinlich für komplexe sozial- und kommunikationswissenschaftliche Theorien nutzbar gemacht werden, wenn sie systematisch aus ihrer individualistischen „Sterilität“ gelöst werden. Dazu sind sie mit der Betrachtung des „dritten Systems“ kompatibel zu machen.

Dabei ist im Einzelnen zu prüfen, in welchen sozialen Systemen, Interaktionssystemen und Beziehungs-Konstellationen typischerweise welche der von Kahneman beschriebenen Entscheidungs-Mechanismen auftreten und welche individuellen und sozialen Prozesse dabei auftreten.
Zug um Zug ließe sich auf diese Weise eine Entscheidungstheorie entwickeln und anhand paralleler Hypothesenentwicklung und überprüfender Sozialforschung kontinuierlich ausbauen. Die bloß phänomenologischen Befunde der kognitiven Psychologie ließen sich so in eine empirisch-wissenschaftliche Theorie transferieren und damit nachhaltig nutzen.
Ohne diese Mühe – so befürchte ich – könnte Kahnemans Arbeit in wenigen Jahren in Vergessenheit geraten.

Wirtschaftswissenschaftler haben seine Befunde wie gesehen bereits unmittelbar vergessen und verdrängt, als ihnen die Unverträglichkeit mit ihren Grundparadigmen bewusst wurde.
Also voran mit: Schnellem Denken, langsamem Denken und gemeinsamem Denken.

Text, Grafik und Illustration: Heinz W. Droste

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Literatur:

Bales, Robert Freed; Social Interaction Systems. Theory and Measurement; New Brunswick, London 2001

Bunge, Mario; Finding Philosophy in Social Science; New Haven, London 1996

Bunge, Mario; Social Science under Debate. A philosophical perspective; Toronto, Buffalo, London 1998

Bunge, Mario; The Sociology–Philosophy Connection – with a foreword by Raymond Boudon; New Brunswick, London 1999

Droste, Heinz W.; Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung; zwei Bände, Neuss 2011

Etzioni, Amitai; Jenseits des Egoismus–Prinzips. Ein neues Bild von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft; Stuttgart 1994

Kahneman, Daniel; Paul Slovic; Amos Tversky; Judgement under uncertainty: Heuristics and biaces; Cambridge 1982

Kahneman, Daniel; (Thinking, Fast and Slow; 2011) – Schnelles Denken, langsames Denken, München 2012

Mertens, Wolfgang; Gudrun Fuchs; Krise der Sozialpsychologie?; München 1978

 

Über den Autor
Heinz W. Droste hat an der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, Soziologie, Psychologie und Philosophie studiert (M.A.). Mit einer Arbeit über Handlungs- und Systemtheorie promovierte er 1986 beim Soziologen Richard Münch.
Seit über 25 Jahren ist Droste als Kommunikations-Berater und Konzeptioner für Klienten aus Wirtschaft und Politik tätig. Darüber hinaus leitet er Projekte zur Erforschung von Innovations- und Kommunikationsprozessen in Wirtschaftsunternehmen und politischen Institutionen.
Droste hat bereits eine Reihe von Veröffentlichungen zur Konzeptionslehre und Kommunikationsberatung vorgelegt – darunter unter anderem Standardliteratur zur Finanzkommunikation – „Praktiker-Handbuch Investor Relations“ (2001); „Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung“ (2011); „PR Formel – Kommunikation als kreativer Prozess“ (2013).

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