Futterkonzept für Rohfütterung (B.A.R.F.)
Es gibt widersprüchliche Anleitungen zu den Fütterungszeiten bzw. wie regelmäßig gefüttert werden soll. Ich habe gelesen, dass zwischen den Mahlzeiten bei Katzen sehr viel Zeit liegen soll; das hat wohl damit zu tun, dass Katzen nur Magensäure bilden, wenn sich Nahrung im Magen befindet. Und wenn permanent Nahrung aufgenommen wird, bekommt der Katzenmagen zu viel von der Magensäure ab. Dies geschieht z.B. bei der dauerhaften Bereitstellung von Trockenfutter.
Auf der anderen Seite, wenn ich mir vorstelle, dass eine Katze zwischen 5 – 13 Mäusen am Tag frisst, wenn sie freilaufend und sich selbstversorgend ist; wird sie die Mäuse auch nicht regelmäßig nur morgens und abends essen, sondern eher so, wie sie sie fangen kann.
Ich füttere 3 x am Tag: morgens, später Nachmittag und später Abend. Gesamtfuttermenge liegt so bei 200 Gramm (täglich) bei einer 4 kg schweren Katze. Der Bedarf einer Katze liegt bei um die 30 – 50 gr je kg Körpergewicht. Es kommt auch darauf an, was das für ein Futter ist. Bei uns liegt die Menge bei 200 gr/Tag, weil ich aus Gründen der Akzeptanz zurzeit vorwiegend mageres Fleisch verfüttere und von daher wohl mehr (Energie) gebraucht wird.
Das Fressen wird für den Tag abgewogen und über den Tag verteilt verfüttert.
Die Empfehlung lautet, dass eine Mahlzeit nur aus einer „Tier-Sorte“ bestehen soll. Soll heißen, Rind und Huhn nicht mischen. Dafür kann es aber Unterschiedliches vom Rind oder Huhn bei einer Mahlzeit sein. Abwechslung wird gerne gesehen, darum gibt es morgens schon mal Rind und abends etwas vom Huhn.
Anfangs musste das Fleisch ganz klein geschnitten werden, damit die Katzen es überhaupt fressen konnten. Mittlerweile sind wir bei gulaschgroßen Stücken.
Es ist interessant zu beobachten, wie die Toleranzschwelle der Katze gegenüber der neuen (natürlichen) Nahrung immer niedriger wird. Waren es bei der ersten Rohfütterung kleine Bröckchen vom Putenfilet, die auf der Zunge zergehen, sind heute schon etwas kräftigere Stücke auch mit Knorpel und Fetteinlagen willkommen. Das Kauen klappt immer besser. Es ist eine Freude, den Fellnasen dabei zuzusehen. Bei einer Rohfütterung kann die Nahrungsaufnahme anfangs etwas länger dauern.
Der erste Versuch mit Rohnahrung war am 18.10.2012.
Fleisch vom Hühnerbein. Das Fressen wurde verwundert akzeptiert, allerdings noch nicht als Dauernahrung toleriert. Nach meiner Erfahrung kann ich abends besser Antesten als morgens. Da ist wohl jede Katze anders, die Vorlieben müssen ausgelotet werden. Und – ganz wichtig: Nicht aufgeben!
Wir wären auch nicht begeistert, wenn wir von heute auf morgen unsere Ernährung umstellen müssten. Mir ging dazu ein Beispiel durch den Kopf: Wenn wir plötzlich das essen müssten, was wir aus dem TV – sagen wir mal von den Amazonas-Indianern kennen – Maden, Heuschrecken und Reptilien, dafür brauchen wir Zeit, unser Organismus braucht auch Zeit. Diese Nahrung ist uns fremd, trotzdem ist sie durchaus gesund.
Ebenfalls so bei den Katzen. Also immer wieder versuchen.
Vor dem regulären Futter – ein paar Häppchen hinlegen, schauen, ob sie akzeptiert werden.
Mit einer Futtermischung habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. In den Büchern steht – man solle das Rohfutter unter das Dosenfutter mischen. Immer ein wenig mehr, bis die Katze vollkommen umgestellt ist. Die Katzen haben dieses Futter komplett verweigert. Später habe ich gelesen, dass diese Form der Ernährung schwer für den Katzenorganismus zu bewältigen ist, weil dort sehr unterschiedliche Stoffe aufeinander treffen. Das Verdauungssystem kann davon durcheinander geraten.
Bis zur kompletten Umstellung haben die Katzen selbstverständlich ihr gewohntes Dosenfutter bekommen, wenn meine Experimente nicht akzeptiert wurden. Das Rohfutter habe ich 1 – 2 Stunden stehen lassen und dann das gewohnte Futter angeboten. Nein, es trat nicht der Fall ein, dass die Kätzchen das Rohfutter konsequent verweigert haben, weil sie ja „wussten“, es gibt gleich noch was anders. Ich denke, der Wildtierinstinkt wohnt noch in jedem Kätzchen und erwacht ganz langsam aus dem „Schlaf“ bei dem Geruch von rohem Fleisch.
So machen wir das
Bisher gibt es bei uns Fleisch vom Rind und vom Huhn/Pute. Sehr willkommen ist das Rinderherz, Hühnerherz und Gulasch. Da diese Sorten sehr mager sind, sollte unbedingt etwas Fett in Form von Leinöl oder Butter zugegeben werden. Unsere Mitbewohner mögen leider kein Öl, darum bin ich auf Butter ausgewichen. Dank einem guten Mineralpulver, das ich alle 2 Tage – eine Messerspitze – aufs Futter gebe, habe ich sonst nichts zu beachten.
Gute Zusatzstoffe und gefrostete Rohnahrung besorge ich bei der Firma Hitzegrad in Krefeld. Dort kann online bestellt werden.
Zudem gibt es Omega3-Öl in Laktose-freier Kondensmilch. Diese Leckerei wird gerne genommen. Bevor ich vergesse, es zu erwähnen, ebenfalls alle 2 Tage gibt es eine Spur von Himalaya-Salz zum Fleisch, da die natürliche Nahrung von Katzen auch Spuren von Salz enthält. Bitte beachten – nicht das normale Kochsalz verwenden, darin sind keine Mineralien mehr enthalten.
Zusammenfassung:
- Rohes Fleisch
- Mineralpulver – alle 2 Tage, 1 Messerspitze
- Öl oder Butter – jeden Tag ein wenig
- Omega3 Fettsäuren – alle 2 – 3 Tage
- Mineralhaltiges Salz, hin und wieder eine Spur davon
Kein Hexenwerk oder?
Die Kleinigkeiten
Trockenes Fleisch, z.B. Rinderhack wird besser akzeptiert, wenn etwas Wasser darunter gemischt wurde. Beobachtet die Katzen und ihr werdet sehen, wie das Fressen am besten zubereitet werden soll. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die die Kätzchen vom Fressen abhalten. So konnte ich beobachten, dass die Hühnerherzen zwar gut gerochen haben – jedoch nicht gefressen wurden – warum? Die Hühnerherzen sind sehr glitschig und konnten von den Katzen nicht aufgenommen werden, weil sie auf der glatten Unterlage (Fressschale) dauernd wegrutschten. Also, ich nahm eine aufgeraute Unterlage, legte die Herzen darauf und es funktionierte.
Hin und wieder koche ich Knochen aus, die Brühe wird im Nu aufgeschleckt.
Wichtig: Katzen dürfen keine gekochten Knochen fressen!
Zuerst war ich sehr erstaunt, wie sehr sich die Verdauung der Katzen verändert hat. Ihr Organismus scheint das Rohfutter fast eins zu eins aufzunehmen. Kotabsatz erfolgt nur noch ca. alle 2 Tage. Das Positive: Es stinkt nicht mehr!!!
Wir konnten beobachten, dass dafür mehr Urin abgesetzt wurde.
Noch eine Verbesserung kann ich über den Mundgeruch vermelden; die Stubentiger stinken nicht mehr aus ihrem Mäulchen. Der Grund dafür ist, dass das Kauen von Fleisch die Zähne reinigt und ein gesundes Milieu im Mäulchen hinterlässt. Ganz im Gegensatz zu dem Trockenfutter, welches diese Eigenschaften zwar propagiert allerdings nicht hält.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden.
Die Kätzchen wohl auch, denn sie können die Fütterung kaum erwarten, wenn sie ansteht.
Ausprobieren und Staunen!
In letzter Zeit habe ich viel über das Thema gelesen und war schockiert darüber, wie wir Katzen mit der industriell gefertigten Nahrung misshandeln und quälen. Sie zu Krüppeln und Invaliden machen. Sie regelmäßig zum Tierarzt schleppen müssen, damit auch noch die Pharmaindustrie daran verdient.
In dem Industriefutter ist in den meisten Fällen ein viel zu hoher Pflanzenanteil (Kohlenhydrate), der von einem Katzenorganismus gar nicht verarbeitet werden kann. Katzen sind eigentlich reine Fleischfresser (Karnivoren) sie haben einen verkürzten Magen-Darmtrakt, der lediglich fleischliche Kost sehr gut verarbeiten kann.
Rohes Fleisch schadet Katzen nicht. Von Natur aus sind sie Rohfresser und vertragen rohes Fleisch.
Überall wird vor rohem Schweinefleisch (Aujesky-Virus) gewarnt, an diese Warnung halte ich mich. Es gibt kein Schweinefleisch. Gekochtes Fleisch bekommen unsere Mitbewohner möglichst nicht. Die Eiweißstoffe verändern sich durch die Wärmebehandlung, damit fehlt der Katze das, was für sie am wichtigsten ist.
Katzen würden Mäuse kaufen
Es gibt Futterhersteller, die plakatieren ganz deutlich, dass ihre Futter-Dosen oder Tüten nur 4% Fleisch enthalten. Ist das zu fassen? Grimm hat ein interessantes Buch geschrieben: „Katzen würden Mäuse kaufen“. Er gibt uns darin die Antwort darauf, woraus sich der Rest des Futters zusammensetzt, wenn der Fleischanteil nur 4% beträgt.
Wirklich – als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, wollte ich auch Mäuse kaufen!
Sofort!
Wenn es damit getan wäre, dass in der herkömmlichen Katzennahrung zu viele pflanzliche Bestandteile gibt – hm ja – wäre schon nicht optimal. ABER: Sogar ihre eingeschläferten Artgenossen werden zu Futter verarbeitet. Dies ist aufgefallen, als einige Chargen Futter die geliebten Haustiere sehr lethargisch werden ließ.
Das Narkosemittel, welches zum Einschläfern kranker Tiere benutzt wird, konnte als Inhaltsstoff im Futter nachgewiesen werden. Sogar Klärschlamm. Die schlimmsten Chemieabfälle wandern ins Tierfutter und werden von Food Designern aufgehübscht. Damit es nicht zum Himmel stinkt, dürfen große Mengen an künstlichen Aroma- und Geschmacksstoffen nicht fehlen.
Ich erhebe mit meiner Meinung keinen Anspruch auf absolute Wahrheit und schon gar nicht auf Vollständigkeit. Wichtig ist mir, Information zu teilen und Missstände zu stoppen, wo es geht.
Zum Schluss
Lasst euch nicht von den ganzen Marketing-Methoden verblenden. Haltet die Augen offen. Ebenfalls beim Tierarzt. Tierärzte werden während ihrer Ausbildung nicht von Wissenschaftlern, sondern von Vertretern der Tiernahrungsmittelindustrie geschult, um Kenntnis über die „gesunde“ Ernährung von Tieren zu erhalten. Das spricht doch schon für sich – oder? Eigentlich sollten völlig unabhängige und kompetente Ernährungs-Dozenten den künftigen Tierärzten nahe bringen, welche Nahrungsmittel zum Wohle des Tieres sind.
Ich freue mich, wenn ihr dem Thema ein paar ernsthafte Gedanken widmet und – ich freue mich über Feedback.
Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?
Vielleicht kommt noch eine Fortsetzung von mir.
Quellen:
http://www.zoobedarf-hitzegrad.de/
„Katzen würden Mäuse kaufen“ Hans-Ulrich Grimm
„Hunde würden länger leben wenn …“ Dr. med. vet. Jutta Ziegler
P.S. lieben Dank an Marion F. für den Anstoß



